Landesehrenbriefe verliehen an Ewald Ickler, Werner Stey und Norbert Gärtner

Ansprache von Bürgermeister Florian Hölzer zur Verleihung der Landesehrenbriefen

Der Ehrenbrief des Landes Hessen ist eine Auszeichnung des hessischen Ministerpräsidenten, die für besonderes ehrenamtliches Engagement vergeben wird. Diese Auszeichnung haben in diesen Tagen Ewald Ickler (Oberkalbach), Werner Stey (Mittelkalbach) und Norbert Gärtner (Veitsteinbach) erhalten

Ansprache von Bürgermeister Florian Hölzer zur Verleihung der Landesehrenbriefen vom 27.08.2020

Lieber Ewald, Werner, Norbert,

liebe Angehörige,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

die hohe Bedeutung der politischen Ehrenämter in unserer Gemeinde sollte angemessen gewürdigt werden.

Durch die Pandemie ist dies heute nur in diesem kleinen, aber sehr wichtigen Kreis möglich.

Persönlich freue ich freue mich sehr, dass wir Euch heute den Ehrenbrief des Landes Hessen verleihen dürfen.

Im Spätsommer des Jahres 2014 habe ich Euch kennen- und schätzen gelernt. Somit hatte ich die Ehre sechs gemeinsame und erfolgreiche Jahre mit Euch zusammen für unser Kalbach wirken zu können.

Euer unermüdliches Wirken zum Wohle von Kalbach liegt natürlich schon deutlich vor dem Jahr 2014, dazu aber später mehr.

Ein bekanntes Zitat, das Wilhelm Busch zugeschrieben wird, rät unter der Überschrift

Nur kein Ehrenamt

zu einer gänzlich anderen Haltung gegenüber Ehrenämtern als diese sie in der Vergangenheit über viele Jahre eingenommen haben, deswegen kann ich Euch heute –

durchaus sagen, was Wilhelm Busch Euch geraten hätte:

Nur kein Ehrenamt

Willst Du froh und glücklich leben,

lass kein Ehrenamt dir geben!

Willst du nicht zu früh ins Grab

lehne jedes Amt gleich ab!

Wieviel Mühen, Sorgen, Plagen

wieviel Ärger musst Du tragen;

gibst Geld aus, opferst Zeit –

und der Lohn? Undankbarkeit!

Ohne Amt lebst Du so friedlich

und so ruhig und so gemütlich,

Du sparst Kraft, Geld und Zeit,

wirst geachtet weit und breit.

So ein Amt bringt niemals Ehre,

denn der Klatschsucht scharfe Schere

schneidet boshaft Dir, schnipp-schnapp,

Deine Ehre vielfach ab.

Willst du froh und glücklich leben,

lass kein Ehrenamt dir geben!

Willst du nicht zu früh ins Grab

lehne jedes Amt gleich ab!

Selbst Dein Ruf geht Dir verloren,

Drum, so rat ich Dir im Treuen:

willst Du Frau und Kind erfreuen,

soll Dein Kopf Dir nicht mehr brummen,

lass das Amt doch andren Dummen.

Wirklich, er war unentbehrlich!

Überall, wo was geschah

Zu dem Wohle der Gemeinde,

Er war tätig, er war da.

Ohne ihn, da ging es nicht.

Ohne ihn war nichts zu machen,

keine Stunde hatt‘ er frei.

Gestern, als sie ihn begruben,

war er richtig auch dabei.

Sie alle werden mir wahrscheinlich Recht geben, wenn ich sage, dass in diesem Gedicht durchaus ein ganzes Stück Wahrheit steckt, denn Sie alle mussten in Ihrer bisherigen Amtszeit sicherlich an vielen Stellen auch Ärger, Undankbarkeit, Boshaftigkeit, üble Nachrede, mitunter bis hin zur Rufschädigung, erleben.

Aber diese zugegebenermaßen sehr negative Sichtweise auf das Ehrenamt stimmt eben nur teilweise, denn es gibt natürlich auch die andere Seite, die es zu benennen gilt.

Gerade in der Kommunalpolitik sind wir auf die ehrenamtliche, freiwillige Mitarbeit vieler Menschen angewiesen.

Ich als Person, aber natürlich noch mehr als Bürgermeister, bin froh und glücklich darüber, dass es uns in Kalbach auch in der heutigen Zeit, in der es das politische Ehrenamt deutlich schwerer hat als früher, immer noch gelingt, eine ausreichende Zahl von Menschen für die Mitarbeit in unseren gemeindlichen Gremien zu gewinnen.

Gerade in einer Zeit, in der das Ansehen und der gute Ruf der Politik und damit natürlich auch der Politikerinnen und Politiker im freien Fall ist, müssen wir auch immer wieder deutlich machen, dass Demokratie, die ich trotz aller Schwierigkeiten und des hohen Aufwandes in der Entscheidungsfindung immer noch für die beste aller Staatsformen halte, zwingend darauf angewiesen ist, Menschen zu gewinnen, die auch bereit sind, politisch zu gestalten.

Die Herren Ickler, Stey und Gärtner haben eindrucksvoll mit dafür gesorgt, dass die Entwicklung und die Finanzen in der Gemeinde Kalbach auch im Gegensatz zu vielen anderen Städten und Gemeinden noch in Ordnung sind.

Sie alle hier im Mittelkalbacher Bürgerhaus haben mit hoher Verantwortung, die meisten von Ihnen mit hohem persönlichem Einsatz, die Kommunalpolitik und damit die Entwicklung aller Ortsteile der Gemeinde Kalbach wesentlich mit beeinflusst.

Dabei standen Sie im Gegensatz zu den Politikern auf Landes-, Bundes- oder Europaebene immer im unmittelbaren Kontakt mit Ihren Wählerinnen und Wählern.

Sie waren Ihren Wählerinnen und Wählern gegenüber für getroffene Entscheidungen unmittelbar verantwortlich, wurden wahrscheinlich an der einen oder anderen Stelle hierfür auch kritisiert, aber konnten dadurch sicherlich auch Stimmungen und Anforderungen an die Politik sehr viel besser aufnehmen, als auf anderen Politikebenen.

Die Anforderungen an Sie als Kommunalpolitiker haben sich dabei in den letzten Jahrzehnten sicherlich deutlich gewandelt.

Die Zeiten großen wirtschaftlichen Wachstums, die viele von Ihnen auch noch persönlich erlebt haben, in denen es auch in der Kommunalpolitik sehr häufig darum ging, Wohltaten für die Bürgerinnen und Bürger zu beschließen, sind lange vorbei.

Mehr denn je wird von Ihnen heute verantwortungsbewusstes Handeln, das auf die Zukunft ausgerichtet ist, verlangt, mehr denn je müssen Sie und müssen wir alle uns Gedanken über die Folgewirkungen von Entscheidungen machen und mehr denn je müssen wir im Ergebnis unpopuläre Entscheidungen in den gemeindlichen Gremien treffen.

Dies alles macht das Amt nicht leichter, aber ich verspreche Ihnen, es wird dadurch auch nicht uninteressanter, denn ich bin fest davon überzeugt, dass es uns durch neue Ideen und die Besinnung auf das Wesentliche gelingen kann, die Gemeinde Kalbach und alle Ortsteile in eine gute Zukunft zu führen und dafür haben wir in den vergangenen Jahren einige wichtige und richtige Entscheidungen mit Eurem Mitwirken getroffen.

Ich sage herzlich Danke im Namen der gesamten Bürgerschaft unserer Gemeinde und wünsche Euch von Herzen für Eure weitere Zukunft alles Gute.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Florian Hölzer, Bürgermeister

Der Vorsitzende der Gemeindevertretung Karl-Heinz Leibold verließ im Anschluss die Urkunden und überreichte sie zusammen mit den Anstecknadeln an die 3 Geehrten.

Übersicht